Lyrikmail #2250 Dörmann

Mein Herz ist todt

Wenn meiner Lieder düsterrothe Feuer
In wilden Flackertänzen Dich umsprüh’n,
O glaube nicht, dass Du mir lieb und theuer,
Dass diese Flammen aus dem Herzen glüh’n.

Mein Herz ist todt, wenn jemals ich besessen
Ein solches Ding in meiner kalten Brust,
Vielleicht auch, dass ich’s irgendwo vergessen
Bei blassen Frauen nach verschwieg’ner Lust.

Felix Dörmann (1870-1928)

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Lyrikmail #2249 Heine

Lobgesänge auf König Ludwig

1

Das ist Herr Ludwig von Bayerland,
Desgleichen gibt es wenig;
Das Volk der Bavaren verehrt in ihm
Den angestammelten König.

Er liebt die Kunst, und die schönsten Fraun,
Die läßt er porträtieren;
Er geht in diesem gemalten Serail
Als Kunsteunuch spazieren.

Bei Regensburg läßt er erbaun
Eine marmorne Schädelstätte,
|Und er hat höchstselbst für jeden Kopf
Verfertigt die Etikette.

“Walhallagenossen”, ein Meisterwerk,
Worin er jedweden Mannes
Verdienste, Charakter und Taten gerühmt,
Von Teut bis Schinderhannes.

Nur Luther, der Dickkopf, fehlt in Walhall,

Und es feiert ihn nicht der Walhall-Wisch;
In Naturaliensammlungen fehlt
Oft unter den Fischen der Walfisch.

Herr Ludwig ist ein großer Poet,
Und singt er, so stürzt Apollo
Vor ihm auf die Knie und bittet und fleht:
“Halt ein! ich werde sonst toll, oh!”

Herr Ludwig ist ein mutiger Held,
Wie Otto, das Kind, sein Söhnchen;
Der kriegte den Durchfall zu Athen,
Und hat dort besudelt sein Thrönchen.

Stirbt einst Herr Ludwig, so kanonisiert
Zu Rom ihn der Heilige Vater –
Die Glorie paßt für ein solches Gesicht,
Wie Manschetten für unseren Kater!

Sobald auch die Affen und Känguruhs
Zum Christentum sich bekehren,
Sie werden gewiß Sankt Ludewig
Als Schutzpatron verehren.

Heinrich Heine (1797-1856)

Am 28. Juli 2010 wird in der Walhalla bei Regensburg eine Büste des Dichters Heinrich Heine
enthüllt. Die bayerische Staatsregierung hatte 2006 die Ehrung beschlossen.
www.walhalla-regensburg.de

Sämtliche Gedichte in zeitlicher Folge (insel taschenbuch)

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Lyrikmail #2248 Wernicke

Segen eines Bischoffs

Ein Bauer nam den Hutt nicht ab,
Als man dem Volck den Segen gab;
Wie nun der Bischoff dieses schaute,
Und mit der Kirchenbuss’ ihm draute,
So sagt’ er: Ist der Segen gutt,
So geht er woll durch meinen Hutt.

Christian Wernicke (1661-1725)

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Lyrikmail #2247 Logau

Das Leben

Hier ist deß Lebens Schatten; dort ist der Leib deß Lebens.
Man greiffe nach dem Leibe, zum Schatten ists vergebens.

Friedrich Freiherr von Logau (1604-1655)

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Lyrikmail #2246 Strachwitz

Ich habe nie das Knie gebogen,
Den starren Nacken nie gebeugt,
Mit Stolze ward ich aufgezogen,
Mit Freiheit ward ich aufgesäugt.

Doch allem Stolz im Sein und Handeln
Entsagt’ ich, und der Freiheit mit,
Könnt’ ich mich in den Staub verwandeln,
Den Deines Schuhes Sohle tritt.

Moritz von Strachwitz (1822-1847)

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