Lyrikmail #2141 Busch
Was soll ich nur von eurer Liebe glauben?
Was kriecht ihr immer so in dunkle Lauben?
Wozu das ewge Flüstern und Gemunkel?
Das scheinen höchst verdächtige Geschichten.
Und selbst die besten ehelichen Pflichten,
Von allem Tun die schönste Tätigkeit,
In Tempeln von des Priesters Hand geweiht,
Ihr hüllt sie in ein schuldbewußtes Dunkel.
Wilhelm Busch (1832-1908)
Lyrikmail #2140 Fallersleben
Laß das Kätzchen in Ruh!
Franz, sag’ ich, laß das Kätzchen in Ruh!
Es wird dich kratzen.
Laß dich doch nicht warnen immerzu!
Falsch sind die Katzen.
Sie können schnurren und zärtlich sein,
Sich schmiegen und schmeicheln,
Sie tätzeln und ziehen die Krallen ein
Und lassen sich streicheln.
Doch ändern sich auch oft geschwind
Die freundlichsten Katzen,
Denn Katzen nun einmal Katzen sind
Und müssen kratzen.
Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Lyrikmail #2139 Tran
Reduktion I
Die Lösung von allem
ist warten. den Punkt halten
der die Waage im Gleichgewicht hält
und ich füge hinzu, ich
versichere: es ist ein sanftes Schweben
oder hängen über dem Boden
Zustand Null, Aufzeichnungsgeräte
die Digitalkamera filmt
genau so, und nicht anders, filmt genau das
und nichts anderes sonst
und doch ist es Leid, Ungerechtigkeit
Wunsch. nur diesmal kleiner, irgendwie fester
wie Spielfiguren oder Miniaturlandschaften
aus Kunststoff, bedeutungslos
unpersönlich, unecht.
Thien Tran (*1979)
Die Reihe clicktriebe wird von Tom Bresemann für die lyrikmail herausgegeben, erscheint einmal wöchentlich und präsentiert junge, deutschsprachige und internationale Autor_innen. Tom Bresemann ist Schriftsteller (Gedichtband: Makellos, Berlin 2007, zuletzt Jahrbuch der Lyrik 2009, Lyrik von Jetzt zwei, NEUBUCH, Covering Onetti) und Veranstalter (für die S³ LiteraturWerke, die Lettrétage, die schaubühne am Lehniner PLatz u.a.).
Lyrikmail #2138 Platen
Da, wie fast ich muß vermuten, deine Liebe lau
geworden,
Fürcht ich, daß die braune Scheitel über Nacht mir
grau geworden!
Geizest du mit Augenblicken, die mir mehr als dir
gehören?
Bist du, lieblicher Verschwender, plötzlich so genau
geworden?
Haben deiner Treue Rosen sich als Dorn den Stolz
erlesen?
Sind der Liebesgöttin Tauben wie der Juno Pfau
geworden?
Wenn dich Weiber mir gestohlen, werden sie so lang
dich fesseln,
Bis der Tempel deiner Glieder ein zerstörter Bau
geworden.
Oder willst du bloß mich locken, den du längst im
Netz gefangen,
O so lohnt sich’s nicht der Mühe, daß du kalt und
schlau geworden!
August von Platen (1796-1835)
Lyrikmail #2137 Rech
Sailinger´s
In Ingwer ist verdeckt
Gewohnt der Saal
Für den es Tee nicht gibt
Der ihn betritt
Den Saal
Den man gewohnt ist heldenhaft zu meiden
Mit einem echten Text geschmückt
Mit einem Blick der Kastration zum Einzel
Ding für januar und köpfig fiebr-ar-haft
Entfärbte Bäume im Holunderpark es
Herzgeborn den Ahnungsgarten gab der
Die Holunderarme noch im alten
Umherr-Irrn das kennt man aus Nju York
Betrügt so fragen sich die falsch geschriebenen Sachen
In Tüten Tasseln sind und Beutel
Verpackt ist man die Zimmerpflanze
Mit herben Schlingeraugen
Die Segel rot krieg ich schon hin der ich ein sailor bin
Die rosa Hände-Liebe geht mir am Arsch vorbei so richtig nicht
Der Vortrag geht nach links und auch mit Hilfe nur
Nachhilfe tut so gut
Und nach dem Händeschütteln
Wird aufgebahrt
Der Lieblingsschüler
Und zwar im Mittagsschmerz
Lasst uns in Armut geben Hände lasst uns dann alle ziehn
So schreit der Kaufmann laut und liest zu Ende alle Zeit
Und in der Menge sagt er dann der Dichter der sei tot
Ich hätt so gerne recht gehabt
Ich wär so gern mit über 90 abgedüst
Im Sessel in der Sesselzeit
Hätt ich so gern geschrien
Nach einem weißen Oberhemd
Und danach mehr nach nichts
Es wär gewesen dann ein ach so schönes dichtes G
Ein schönes breites das auch klingt
Nach einem Bodenfuß der knackst
Nach Konkubinen auch und Kokosnüssen
Die Tropfen die gekommen wärn aus lauter Überdruss
Das wollt ich doch den Überfluss
Was ich dann wär geworden
Ich wär so wenig viel gewesen
Die Fahrerei des Lebens
Das viel zu Wenige was man nicht weiß
Und ob es ist gewesen richtig
Der Ingenieur
Wer ist das wirklich
Und Gott auch noch
Mit einem Hurensohn
Gedichtverboten ist es richtig
Was nach Verdammnis riecht so nicht es sollte eigentlich
Verboten sein zu sagen dass stechen können Palmen artig sind sie nicht
Tatsächlich ist die Ruhe fürchterlich wenn es die Worte nicht mehr gibt
Für das was ist ein Junge
Der eine Mutter hat davon
Dass sie nicht weiß dass sie ein Klagelied verdrängt
Auf einer Säule steht verstummt
Dass Spielchen sich ergeben aus Wald in Büschen und Gesichtern
Dass Mädchenstimmen die da sind eh mittendrin in Wirk
Lichkeit nichts sagen
Man zeigt doch keine Tränen
Und auf den Schultern trägt ein Fernbedienungsherz
Man ist dann der Christoverschluss
Ein Wiesen-Wesel aus einem Buch
Und man bedient sich dessen
Weshalb man stecken bleibt
Im Selbst und auch im Frieden
Aus denen die Befriedigungen sind woraus
Mann ist
Aus Stummheit und aus Blumenbündeln man nicht die letzten mimt
Peter Rech (*1943)
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